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This section can be used by universities, psychoanalytic associations, publishers, auction houses and museums to call attention to their offers relevant to psychoanalysis.
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Summer School 2018: „Liebe und Hass in Philosophie, Psychoanalyse und Kultur“

07/16/2018 - 07/20/2018

open to public
Organizer: Studienprogramms Kulturanalyse der Universität Zürich und des Lacan Seminars Zürich
Venue: Universität Zürich
Rämistr. 39
8032 Zurich
Switzerland
>> Website
Referenten und Referentinnen:
Maximilian Benz, Zürich; Frauke Berndt, Zürich; Elisabeth Bronfen, Zürich; Michelle Dreiding, Zürich; Felix Ensslin, Stuttgart; Dominik Finkelde, München; Monika Gsell, Zürich; Christian Kläui, Basel; Robert Langnickel, Winterthur; Karl-Josef Pazzini, Berlin / Hamburg; Wolfgang Rother, Basel; Regula Schindler, Zürich; Edith Seifert, Berlin; Christoph Sökler, Stuttgart; Dieter Sträuli, Zürich; Mai Wegener, Fabian Würth, Zürich ;Berlin; Rony Weissberg, Zürich; Peter Widmer, Ennetbaden.

Tagesablauf:
Vortrag jeweils 30 min., anschliessend Diskussion/Kaffepause jeweils 30 min.

Morgens: 3 Vorträge, 09.30 – 12.30
Mittagspause: 12.30 – 14.00
Nachmittags: 2 Vorträge 14.00 – 16.00 Uhr

Zum Thema der Summer School:
Liebe und Hass sind nicht nur zwei grundlegende Affekte; es sind Existenzialien, die prägenden Charakter haben für die menschlichen Subjekte. Sie überfallen uns als Ereignisse und stellen unsere Lebenspläne auf den Kopf. Zugleich werden Liebe und Hass, auch im Wechselverhältnis zueinander, reflektiert in vielfältigen wie historisch wandelbaren Konzeptionen und Konstellationen in Philosophie, Kunst und Kultur. Jedes Subjekt, jede Generation, jede Epoche erlebt die grundlegenden Dimensionen von Liebe und Hass am eigenen Leib und macht sich von neuem an die Aufgabe, diese Erlebnisse auf Begriffe, in Formen oder Figurationen zu bringen. Dabei knüpfen die Subjekte an Traditionen an, produzieren aber auch neue Formen.

Jede Untersuchung der fundamentalen Dimensionen, die mit Liebe und Hass aufgerufen sind, erfordert ein Arbeiten mit Differenzierungen und Komplexitätsreduktionen. In der abendländischen Tradition werden an der Liebe unter anderen folgende Aspekte unterschieden: die Zuneigung, die Leidenschaft, die Lust, die Erotik, die Sexualität, das Begehren, die Ekstase, die romantische Liebe, die freundschaftliche Liebe, die Nächstenliebe, die Menschenliebe, die Elternliebe, die Geschwisterliebe. Ebenso lässt sich am Hass die Ablehnung, die Abstossung, der Groll, die Verwünschung, der Fluch, die Feindschaft, der kalte Hass, der wilde Hass, der blinde Hass, der zerstörerische Hass, der tödliche Hass, der Klassenhass, der Rassenhass, der Völkerhass differenzieren. Gemeinsam ist all diesen komplexen Phänomenen von Liebe wie von Hass eine Bindung, die zwischenmenschliche Beziehungen konstituiert oder auflöst. Darüber hinaus können die Übergänge fliessend verlaufen, wie das Phänomen der Hassliebe zeigt. In modernen wie postmodernen Lebensformen stehen vielfältige, teils konkurrierende Liebes- und Hasskonzeptionen oft unvereinbar neben- und gegeneinander, oftmals ohne dass die betroffenen Subjekte diese Konzepte benennen könnten und ohne dass sie sich deren Wirkmächtigkeit bewusst sind.

Aus der Perspektive der Psychoanalyse spielen Liebe und Hass zunächst als Vorgänge im analytischen Setting eine tragende Rolle. Liebe betritt hier den Schauplatz als Übertragungsliebe, die der Analysand auf den Analytiker richtet. Unter ihrem Eindruck stellt er bereitwillig Material bereit und gewährt Einblick in seine intimsten Wünsche und in Erinnerungen. Die sogenannte negative Übertragung kann als eine Form von Hass verstanden werden, die den Assoziations- und Erinnerungsfluss zum Versiegen bringt. Unangenehmes Schweigen breitet sich aus; Wiederstand beherrscht die Szene. Insofern der Analytiker beide Formen zu deuten versteht, arbeitet er mit Liebe und Hass und arbeitet sich zugleich an ihnen ab. Er hilft dem Analysanden zu verstehen, warum und was er liebt und hasst. In der Klinik der Psychoanalyse kann eine leidenschaftliche Liebesbeziehung jäh in Hass umschlagen, wenn die imaginäre spiegelbildliche Relation Risse erhält. Sind Überschätzung und Abwertung des Liebesobjekts nur zwei Seiten einer Medaille, kennt die (lacansche) Psychoanalyse drei Positionen hinsichtlich Liebe und Hass: Liebenswert, hassenswert sowie liebens- und hassenswert zugleich. Lieben impliziert, so Freud, ein Geliebt-werden-Wollen. Diese narzisstische Struktur, welcher jeder personalen Liebe zugrunde liegt, wird mitunter nicht transformiert und zeigt sich dann im Symptom als Narzissmus. Ausgehend von diesem analytischen Setting und der klinischen Erfahrung entwirft die Psychoanalyse eine Theorie des Subjekts und der Kultur und sieht diese am Leitfaden der Denkfiguren von Eros und Thanatos aufgespannt zwischen Narzissmus und Objektliebe, zwischen Aggressivität, Destruktivität und Produktivität.

In der Sommerschule wird das weite Feld von Liebe und Hass in Philosophie, Psychoanalyse und Kultur anhand von Einzel- oder Übersichtsanalysen sowie allgemeinen Betrachtungen kartographiert. Renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler halten Vorträge, leiten Workshops und unterrichten Lektüreseminare. In einem zweiten, praxisorientierten Teil werden die Phänomene aus der Sicht der psychoanalytischen Klinik, der medien- und kulturwissenschaftlichen Perspektiven sowie seitens der Geschlechterforschung hinterfragt.

Die Sommerschule will gerade in ihrer interdisziplinären Ausrichtung zeigen, dass eine Grundlagenreflexion in den Geistes- und Kulturwissenschaften stets darauf angewiesen ist, Erkenntnisse im Gespräch und in der Auseinandersetzung mit anderen Disziplinen zu generieren. In ihrem methodischen Vorgehen schliesst die Sommerschule damit an das Projekt des Zentrums für Kunst und Kulturtheorie (ZKK) und an Arbeiten der Kuratoriumsmitglieder des interdisziplinären Studienprogramms Kulturanalyse der Universität Zürich an. Neben der aktiven Beteiligung von Doktorierenden und Post-Doktorierenden der Kulturanalyse, der Philosophie, der Psychologie, der Religionswissenschaft, der Theologie und der Gender Studies wird die Summerschool vom Lacan Seminar Zürich mitorganisiert. Diese Zusammenarbeit stärkt die Vernetzung von Forschenden und Praktikern im Raum Zürich.



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